Zum Thema "offene Sprechstunde"

 





Sehr geehrte Patientinnen, sehr geehrte Patienten,


als Novum in der Gesundheitspolitik wurde, aufgrund der zunehmenden Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt, die sogenannte „offene Sprechstunde“ eingeführt, außerdem wurden die vorgeschriebenen Mindest-Sprechstundenzeiten für Vertragsärzte von 20 auf 25 Stunden erhöht.

Es handelt sich hierbei um ein rein populistisches Instrument, mit dem Herr Gesundheitsminister Spahn signalisieren möchte, dass in der ambulanten Versorgung alles besser gehen könnte, wenn man die Ärzte nur per Gesetz zwänge, mehr zu arbeiten.

Diese neurologische Praxis bietet 50 Sprechstunden pro Woche an, 40 in der Praxis, 10 in Altenheimen. Außerdem beteiligt sie sich an den kassenärztlichen Notdiensten. Auf unseren Praxisschildern sind auch nur 26 Stunden Öffnungszeiten vermerkt, da diese (genauer: 25) vorgeschrieben sind. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von niedergelassenen Neurologen liegt, inklusive den administrativen und bürokratischen Aufgaben, bei deutlich mehr als 50 Stunden, so dass die gesetzliche Erhöhung der Sprechstunden real zu keiner besseren Versorgung führen wird.

Die 5 Stunden der offenen Sprechstunde führen dazu, dass 5 Stunden organisierte und geplante Sprechstunde wegfallen. Durch eine Chaotisierung der Praxisabläufe dürfte niemandem wirklich medizinisch besser geholfen sein. In den 5 Stunden offener Sprechstunde werden auch nicht mehr Patienten versorgt, als vorher in normaler Sprechstunde. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass auch in einer offenen Sprechstunde nicht eine unendliche Zahl von Patienten behandelt werden kann, wir müssen die Patientenzahl in der offenen Sprechstunde auf ein Maß beschränken, so dass für jeden Patienten genügend Raum für Anamnese und Untersuchung bleibt.

Sie können mithelfen, indem Sie wichtige Vorbefunde (aber bitte nicht Aktenberge!) und Ihren Medikamentenplan mitbringen.

Weiterhin können Sie dazu beitragen, dass die Wartezeiten für einen Termin im erträglichen Rahmen bleiben und dringende Fälle einen entsprechend früheren Termin erhalten. Trotz der Beschwerden, dass kaum Termine bei Neurologen zu bekommen wären, erscheinen viele Patienten unentschuldigt zu ihrem Termin nicht. Bitte sagen Sie Ihren Termin spätestens am Vortag ab, wenn Sie – aus welchem Grund auch immer – nicht erscheinen können! Wir können diese Termine dann kurzfristig an Patienten, die diesen Termin eventuell dringend brauchen, weitergeben. Vielen Dank!


Ihr Dr. med. Florian Keßler